Glossar

Interview-Leitfaden

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Interview-Leitfaden

Interview-Leitfaden

Ein Interviewleitfaden legt die Themen, Fragen und organisatorischen Punkte einer Research-Session fest und hilft Interviewenden dabei, Erfahrungen gezielt zu erkunden, ohne den roten Faden zu verlieren.

Ein Interviewleitfaden ist genau dann am wertvollsten, wenn ein Gespräch spannend wird. Spricht jemand eine unerwartete Hürde an, kann man als gut vorbereitete Person flexibel nachhaken – und behält trotzdem im Blick, welche Themen noch offen sind. Fehlt diese Vorbereitung, verliert man sich schnell im zuletzt genannten Detail oder flüchtet sich in einen Fragenkatalog, der längst nicht mehr zum Gesprächsfluss passt.

Der Leitfaden ist ein lebendiges Arbeitsdokument: Er bündelt die Ziele der Studie, Kernbereiche, Einstiegsfragen und mögliche Vertiefungen sowie praktische Rahmenbedingungen für den Termin. Bei teilstrukturierten Interviews soll er das Gespräch unterstützen und tragen, statt jedes einzelne Wort vorzugeben.

Forschungsziele in greifbare Fragen übersetzen

Die Forschungsfrage hilft dem Team; die Interviewfrage muss für die befragte Person funktionieren. „Was bremst die Nutzung aus?“ mag intern ein guter Ausgangspunkt sein, verlangt von Kund*innen aber bereits eine fertige Analyse. Eine Frage nach dem konkreten letzten Versuch, das Produkt zu nutzen, macht es viel leichter, echte Erfahrungen zu schildern.

Nehmen wir an, ein Team möchte verstehen, warum Nutzer*innen die Erstellung eines Berichts mittendrin abbrechen. Der Leitfaden könnte bei den Umständen des jüngsten Berichts ansetzen und anschließend beleuchten, welche Daten nötig waren, welche Schritte unternommen wurden, was dazwischenkam und was danach passierte. So lässt sich dem Abbruch auf den Grund gehen, ohne voreilig die Benutzeroberfläche als Ursache abzustempeln.

Der Leitfaden von GOV.UK zur Planung von Research-Runden verknüpft Forschungsziele direkt mit den Themen der jeweiligen Session. Dieser rote Faden hilft bei der Auswahl: Wenn eine Frage nichts zu den Zielen der Untersuchung beitragen kann, sollte man ehrlich prüfen, ob sie in diesem Gespräch wirklich Raum bekommen muss.

Ein kompakter Beispiel-Leitfaden

Für die Studie rund um das Reporting würde der Einstieg den Hintergrund des Gesprächs erläutern, das Einverständnis zur Aufnahme einholen und die Rolle der Person kurz klären. Eine gute Eröffnungsfrage wäre: „Erzählen Sie doch mal von dem letzten Bericht, den Sie für jemand anderen erstellen mussten.“

Unter „Erste Schritte“ ließe sich vertiefend nachfragen, wer den Bericht brauchte, welche Infos nötig waren und wo zuerst danach gesucht wurde. Unter „Abschluss der Arbeit“ könnte man erforschen, was gegengeprüft werden musste, was den Ablauf gestört hat und woran man gemerkt hat, dass der Bericht fertig war. Zuletzt geht es darum, was nach dem Versand geschah – inklusive Korrekturen oder Rückfragen.

Der Leitfaden sollte solche optionalen Nachfragen klar von den Pflichtthemen trennen. Wer eine Unterbrechung bereits von sich aus geschildert hat, muss nicht noch einmal dasselbe gefragt werden, nur um ein Häkchen im Dokument zu setzen. Eigene Bewertungskriterien oder Notizen sollten zudem immer strikt von den Formulierungen getrennt bleiben, die man an das Gegenüber richtet.

Wortwahl und Reihenfolge prägen das Gespräch

Fragen lassen sich leichter beantworten, wenn sie nur einen klaren Gedanken enthalten und keine Erlebnisse unterstellen, die vielleicht gar nicht da waren. „Was hat Sie beim Exportieren genervt?“ setzt bereits Frust voraus, während „Wie lief das Exportieren ab?“ Raum für einen völlig reibungslosen Ablauf lässt. Konkrete Nachfragen können dann genau dort ansetzen, was die Person tatsächlich beschreibt.

Auch die Reihenfolge ist entscheidend. Wer einen Feature-Entwurf zeigt, bevor über die aktuelle Arbeitsweise gesprochen wurde, beeinflusst oft schon die Begriffe und Schwerpunkte der Teilnehmenden. Wenn beides wichtig ist, braucht es einen sauberen Übergang zwischen dem Verstehen der Ist-Situation und dem Feedback zum Entwurf – nur so lassen sich die Erkenntnisse hinterher trennen.

Den Leitfaden testen und Anpassungen festhalten

Lesen Sie die Fragen laut vor und probieren Sie den Ablauf mit jemandem aus, der zur Zielgruppe passt. Versteht man die Formulierungen sofort? Fühlt sich der Ablauf natürlich an? Bleibt genug Zeit für die zentralen Punkte? Ein solcher Probelauf zeigt oft auch, ob die eigentliche Forschungsfrage noch etwas zu breit war.

Halten Sie inhaltliche Änderungen mit Datum fest und notieren Sie, welche Gespräche mit welcher Version geführt wurden. Wenn eine neue Frage mitten in der Studie ein Thema überhaupt erst aufbringt, lassen sich spätere Antworten nicht so deuten, als hätten alle von Anfang an darüber gesprochen. Diese Dokumentation ist wertvolles Material für die Auswertung der Nutzerinterviews – sie hilft dem Team nachzuvollziehen, was gesagt wurde und wie diese Antworten zustande kamen.

Weiterführende Links & Lesetipps

Leitfäden

  1. Plan a round of user research — GOV.UK
    Verknüpft den Leitfaden mit den Fragen, Teilnehmenden und Aktivitäten für eine Research-Runde. Praktisch, wenn aus einer langen Fragenliste ein brauchbarer Session-Plan werden soll.

Bücher

  1. Interviewing Users, second edition — Steve Portigal
    Beleuchtet die Vorbereitung und das Formulieren von Fragen im gesamten Interviewprozess. Hilfreich, wenn ein Leitfaden ein echtes Gespräch unterstützen soll, statt wie ein Skript von oben nach unten abgelesen zu werden.