Ein Teilnehmer kommt am Ende eines Buchungs-Prototyps an und fragt sich, ob der Termin jetzt wirklich bestätigt ist. Das Team könnte das einfach als gescheiterte Aufgabe abhaken und weitermachen – oder herausfinden, was genau zu dieser Unsicherheit geführt hat, solange sich am Design noch etwas ändern lässt. Genau dieser zweiten Frage widmet sich die formative Forschung.
Formative Forschung liefert wertvolle Impulse für die Entwicklung oder Verbesserung von Produkten, Services oder Maßnahmen. Ihr Ziel ist es, die nächsten Schritte mitzugestalten – sei es, indem man Bedürfnisse versteht, ein Konzept prüft oder Schwachstellen in einem bestehenden Design aufdeckt.
Zweck und Timing nicht verwechseln
Formative Arbeit findet meist während der Entwicklung statt. Aber auch ein Live-Produkt lässt sich formativ untersuchen, wenn das Ziel darin besteht, es weiterzuentwickeln. Die summative Evaluation hingegen bewertet Leistung oder Ergebnisse anhand bestimmter Fragen oder Kriterien, oft an einem Meilenstein. Der Vergleich von formativer und summativer Evaluation der Nielsen Norman Group bringt diesen Unterschied auf den Punkt.
Keines der beiden Labels legt die Methode starr fest. Eine formative Studie kann durchaus quantitative Daten nutzen, um ein Problem zu identifizieren, und eine summative Bewertung kann qualitative Aspekte enthalten. Entscheidend ist, dass das Studiendesign genau die Evidenz liefert, die für den jeweiligen Zweck gebraucht wird.
Im fiktiven Buchungsbeispiel kann eine kleine, moderierte Studie helfen zu verstehen, warum die Bestätigung unklar ist. Um abzuschätzen, welcher Anteil aller Kundinnen und Kunden davon betroffen ist, bräuchte es hingegen einen ganz anderen Stichproben- und Messansatz.
Dem Problem auf den Grund gehen, bevor man die Lösung baut
Lassen Sie Teilnehmende realistische Aufgabenszenarien durchlaufen und beobachten Sie die Schritte rund um das Problem ganz genau. Die Unsicherheit kann an der abschließenden Nachricht liegen, an einem früheren Bezahlschritt oder an der Erwartung, dass eine Bestätigung per E-Mail kommen müsste.
Haken Sie nach, ohne die Antwort schon vorzugeben. Ein „Was ist aus Ihrer Sicht gerade passiert?“ lässt Raum für die eigene Interpretation. Ein „War die Bestätigung zu unauffällig?“ lenkt den Fokus dagegen direkt auf die erste Vermutung des Teams.
Passen Sie die Detailtiefe des Prototyps an die Fragestellung an. Eine grobe Skizze reicht oft schon aus, um die Abfolge von Schritten zu testen. Geht es aber um Feedback oder Timing, braucht es meist funktionierende Interaktionen.
Zeit für die nächste Entscheidung einplanen
Besprechen Sie Erkenntnisse zu einem Zeitpunkt, an dem das Team noch darauf reagieren kann – und trennen Sie dabei klar zwischen beobachteten Problemen und Lösungsvorschlägen. Setzen Sie Prioritäten anhand von Auswirkungen, Belegen und praktischen Rahmenbedingungen, statt nur nach der reinen Anzahl an Kommentaren zu gehen.
Prüfen Sie bei Designänderungen immer, ob sie die eigentliche Ursache beheben – und ob sie vielleicht neue Probleme schaffen. Eine klarere Bestätigungsmeldung am Ende hilft zwar, rettet aber keinen früheren Schritt, der den Leuten fälschlicherweise das Gefühl gab, die Buchung sei längst abgeschlossen.
Formative Forschung ist deshalb so wertvoll, weil sie Erkenntnisse direkt mit Verbesserungen verknüpft. Ihr Erfolg misst sich nicht daran, wie viele Probleme in einem Bericht landen, sondern daran, ob das Team die Ergebnisse nutzen kann, um bessere Designentscheidungen zu treffen und zu überprüfen.
