„Klicke auf Einstellungen und füge ein Teammitglied hinzu“ gibt Testpersonen bereits einen festen Weg durch die Oberfläche vor. Wenn das Ziel eines Usability-Tests aber darin besteht herauszufinden, ob dieser Weg überhaupt auffindbar ist, nimmt die Anweisung bereits einen entscheidenden Teil der Antwort vorweg. Ein Aufgaben-Szenario beschreibt stattdessen die Situation und das gewünschte Ergebnis – und überlässt es den Nutzenden, wie sie dorthin gelangen.
Für ein fiktives Projektmanagement-Tool könnte das so klingen: „Ein neues Teammitglied startet am Montag in deinem Projekt. Gib der Person Zugriff darauf, damit sie die Arbeit des Teams einsehen kann.“ Das Szenario liefert einen konkreten Anlass zum Handeln, ohne Menüpunkte oder Buttons beim Namen zu nennen. So lässt sich beobachten, wie die Testperson die vorhandenen Optionen interpretiert.
Aus der Perspektive der Testpersonen schreiben
Starte mit einem Ziel, das für die Zielgruppe plausibel und für die Studie relevant ist. Eine Aufgabe, die für Admins völlig logisch ist, wirkt auf Personen, die nur Reports einsehen, oft fremd. Dieselbe Formulierung eignet sich also nicht zwingend für beide. Kläre vorab die Rolle der Testperson und den Kontext, damit die Aufgabe sinnvoll greift.
Gib die Informationen mit, die reale Nutzende bereits hätten. Wer eine Zugfahrt bucht, braucht Reiseziel und Datum; wer ein Software-Abo auswählt, muss wissen, wie viele Kolleg:innen den Zugang nutzen werden. Fehlen solche Details, müssen sich Teilnehmende selbst etwas ausdenken. Das macht es schwerer zu beurteilen, ob ein Problem nun am Produkt oder an der unklaren Aufgabe lag.
Der Leitfaden der Nielsen Norman Group zu Task Scenarios zeigt, wie realistische Ziele in konkrete Testaufgaben übersetzt werden. Die Kunst liegt darin, genug Kontext zum Handeln zu liefern, ohne daraus eine Geschichte zu machen, die man auswendig lernen muss.
Nicht die Benutzeroberfläche zur Antwort machen
Vergleiche „Klicke auf den Button ‚Mitglieder einladen‘“ mit dem Beispiel für den Team-Zugang. Die erste Variante testet lediglich, ob jemand einer expliziten Anweisung folgen kann; die zweite lässt Raum für die Frage, ob der Weg intuitiv erkannt wird. Dieser Unterschied ist auch beim Tree-Testing entscheidend: Wird der genaue Navigationsbegriff schon in der Aufgabe genannt, wirkt selbst eine schwache Beschriftung plötzlich leicht auffindbar.
Vermeide Formulierungen, die Testpersonen ein bestimmtes Gefühl vorgeben, wie „Das ist eine ganz einfache Aufgabe“ oder „Das finden viele verwirrend“. Wenn die Studie messen soll, wie leicht etwas fällt, frage dies nach dem Versuch mit einheitlichen Fragen ab. Die Formulierung der Aufgabe sollte das Urteil nicht vorwegnehmen.
Nicht jede Studie muss auf direkte Handlungsanweisungen verzichten. In Untersuchungen zu Onboarding oder Trainings geht es oft gezielt darum, wie gut Menschen einer Anleitung folgen können. Das ist jedoch ein anderes Ziel als das Testen der Auffindbarkeit und sollte entsprechend anders formuliert werden.
Erfolgskriterien vor dem Start definieren
Das Szenario für die Testperson und die Bewertungsregeln für das Research-Team erfüllen unterschiedliche Zwecke. Bei der Aufgabe zum Team-Zugang könnte der Studienplan unterscheiden zwischen: Öffnen des Einladungsformulars, Absenden mit den korrekten Rechten oder Abschluss nur mit Hilfestellung. Lege vorher fest, welches Ergebnis als Erfolg zählt, und dokumentiere Hilfestellungen einheitlich.
Stelle sicher, dass der Prototyp oder die Testumgebung die Aufgabe überhaupt hergibt. Eine fehlende Interaktion sieht schnell wie ein Usability-Problem aus, wenn unklar ist, wo der Prototyp an seine Grenzen stößt. Wenn mehrere Ziele zusammenkommen, teile sie lieber in separate Aufgaben auf, damit sich Abschlussrate und Schwierigkeitsgrad eindeutig zuordnen lassen.
Die Aufgabe im Zielformat testen
Teste das Szenario vor der eigentlichen Studie und beobachte, wie es verstanden wird. Bei unmoderierten Sessions müssen die Formulierungen ohne Rückfragen auf Anhieb sitzen. In moderierten Sessions sollte das Team vermeiden, eine unklare Aufgabe spontan zu erklären – denn das geschieht bei jeder Testperson meist ein wenig anders.
Prüfe neben den Formulierungen auch die Reihenfolge der Aufgaben. Eine vorangegangene Aufgabe kann bereits verraten, wo sich ein bestimmter Bereich befindet, was spätere Aufgaben verfälscht. Plane Reihenfolge oder Rotation bewusst ein und halte deine Entscheidungen fest. Unser ausführlicher Guide für Usability-Tests zeigt, wie sich Aufgaben in die gesamte Studie einbetten lassen, während der Leitfaden zum Testen von Prototypen auf die Besonderheiten unfertiger Designs eingeht.
