Wie man Research Nicht-Forschern vermittelt

Rhys Hillan
Research Manager bei Ballpark

Im September hat unser Research Manager Rhys Hillan auf der WaysConf in Krakau einen Vortrag über die Demokratisierung von Research gehalten. Konkret ging es darum, wie Kolleg:innen ohne Research-Hintergrund weitergebildet werden können, um selbstständig Research zu betreiben. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Und wie bringt man ihnen bei, Research in ihren Alltag zu integrieren, ohne den Wert von Vollzeit-Researcher:innen zu schmälern? Schauen wir es uns an.
Warum die Demokratisierung von Research so wichtig ist
Research-Demokratisierung ist ein wachsender Trend. Ob man ihn nun begrüßt oder skeptisch bleibt: Es ist eine Realität, der wir uns stellen müssen. Für viele Teams bedeutet die Demokratisierung von Research, Kolleg:innen ohne Research-Hintergrund – etwa im Design, Product oder Marketing – zu befähigen, Research selbstständiger in ihren Arbeitsalltag einzubinden.
Das schmälert keineswegs den Wert hauptberuflicher Researcher. Im Gegenteil: Durch die Demokratisierung können sich erfahrene Researcher auf komplexere, strategische Fragestellungen konzentrieren, die tieferes Fachwissen erfordern. Entscheidend ist, anderen beizubringen, wie sie Research betreiben können, der die Arbeit von Vollzeit-Researchern ergänzt – ohne Abstriche bei der Qualität zu machen.

Wie man Research an Nicht-Researcher vermittelt
Anderen die Grundlagen von Research beizubringen, ist mehr als reine Wissensvermittlung. Es geht darum, sie dafür zu begeistern, Zeit und Mühe in eine Disziplin zu investieren, die auf den ersten Blick vielleicht wenig mit ihrem Tagesgeschäft zu tun hat. Hier sind ein paar praktische Schritte für eine erfolgreiche Vermittlung:
1. Überzeuge dein Team vom echten Mehrwert
Bevor du Research vermittelst, musst du den Nutzen verständlich machen. Nimm die Sales-Perspektive ein und bringe es auf den Punkt: Welchen Vorteil hat es für die eigene Rolle und das Team, Research zu lernen?
Ein Product Manager schätzt es zum Beispiel, wenn frühe Usability-Tests teure Nachbesserungen verhindern. Jemand aus dem Design-Team weiß vielleicht noch gar nicht, wie First-Click-Tests oder Heatmaps die UX ihrer Entwürfe spürbar verbessern können.
Passe deine Argumente an die jeweiligen Ziele des Teams an. So wird schnell klar, wie Research konkret weiterhilft. Betone außerdem die Autonomie, die sie dadurch gewinnen: Wer nicht mehr darauf warten muss, dass ein Researcher Zeit hat, kann Projekte viel flexibler und im eigenen Tempo vorantreiben.
2. Vermittle praxisnahes Wissen – ohne zu überfordern
Sobald die Neugier geweckt ist, geht es darum, die Grundlagen zu vermitteln – und zwar so, dass niemand überfordert wird. Das klappt am besten so:
Fokus auf das Wesentliche: Schneide das Training auf die jeweilige Rolle zu. Ein Marketing-Team braucht keinen tiefen Einblick in akademische Forschungsmethoden, aber ein gutes Verständnis von A/B-Tests, Kundenumfragen und Tools, die ihren Alltag erleichtern.
Klein anfangen: Setze auf intuitive, einfache Tools. Self-Service-Plattformen mit Templates und Automatisierungen sind ideal für den Einstieg.
Mit echten Beispielen arbeiten: Zeige, welche direkten Auswirkungen Research auf die tägliche Arbeit hat. Designer:innen ist oft gar nicht bewusst, wie sehr Recall-Tests ihren Prozess vereinfachen können. Sorge dafür, dass sich Research greifbar und direkt nützlich anfühlt.
3. Kontinuierliches Lernen aktiv fördern
Der Aufbau von Research-Skills ist kein einmaliges Projekt, sondern braucht laufenden Support. Behalte bei der Planung Folgendes im Kopf:
Klare Struktur schaffen: Definiere Rollen und Verantwortlichkeiten für die verschiedenen Research-Prozesse. So können sich Vollzeit-Researcher auf komplexe Projekte konzentrieren, während andere Teams alltägliche Tests selbst übernehmen.
Geduld haben: Research-Methoden zu lernen braucht Zeit – besonders ohne Vorerfahrung. Lass Raum für Entwicklung und Fehler.
Hilfestellung leisten: Stelle praktische Ressourcen bereit, wie Kurzanleitungen, interne Docs und offene Kanäle für Fragen. Shadowing-Sessions – also das Begleiten von erfahrenen Researchern bei der Arbeit – sind ebenfalls genial, um praxisnah zu lernen.

Fazit zur Research-Demokratisierung
Mit Struktur, Geduld und dem richtigen Support gelingt es, Kolleg:innen die Grundlagen von Research nahezubringen. So wird Research in der gesamten Organisation verankert, während sich spezialisierte Researcher auf komplexe Projekte fokussieren können, die ihr ganzes Know-how fordern.
Letztlich geht es bei der Demokratisierung nicht darum, Researcher zu ersetzen, sondern die Research-Power des gesamten Unternehmens auszubauen. Mit dem richtigen Ansatz treffen Teams fundierte, datenbasierte Entscheidungen – und heben die Qualität ihrer Arbeit auf ein neues Level.
Möchtest du Research in deiner Organisation demokratisieren oder Ideen dazu austauschen? Wir freuen uns, von dir zu hören! Und wenn du mehr darüber erfahren willst, wie Ballpark dein Team dabei unterstützen kann, besuche uns auf ballparkhq.com.


