Ein Team soll die „Zusammenarbeit verbessern“ und diskutiert sofort über gemeinsame Ordner und Kommentarfunktionen. Explorative Forschung schafft Raum für eine grundlegendere Frage: Was bedeutet Zusammenarbeit in diesem Kontext eigentlich, und wo hakt es? Die Antwort dreht sich vielleicht eher um Zugriffsrechte, Verantwortlichkeiten oder Vertrauen als um ein fehlendes Kommunikationstool.
Explorative Forschung untersucht ein Problemfeld, das noch nicht gut verstanden ist. Sie schafft Verständnis, liefert mögliche Erklärungsansätze und präzisere Fragen – mit Methoden, die sich anpassen lassen, sobald klar wird, worauf es wirklich ankommt.
Der Untersuchung klare Grenzen setzen
In einer fiktiven Studie für eine Wohnungsvermittlung könnte das Team untersuchen, wie Antragstellende Informationen von anderen Haushaltsmitgliedern einholen. Dieser Fokus lässt Raum für unerwartete Verhaltensweisen, bleibt aber an eine konkrete Entscheidung gekoppelt. „Alles über Antragstellende herausfinden“ wäre viel zu vage, um Recruiting oder Analyse gezielt zu steuern.
Beginnen Sie mit vorhandenen Erkenntnissen – etwa früheren Studien, Servicedaten und bekannten Rahmenbedingungen. Der Leitfaden für Discovery-Research von GOV.UK beschreibt, wie wichtig es ist, die Nutzenden und das Gesamtproblem zu verstehen, bevor man sich auf ein Service-Design festlegt.
Interviews und Beobachtungen eignen sich, um unbekannte Erfahrungen zu erkunden, während quantitative Daten Muster aufdecken können, die man genauer untersuchen sollte. Exploration ist ein Zweck, kein Synonym für eine bestimmte Datenart und kein Freibrief für Mini-Stichproben.
Hilfreichen Überraschungen nachgehen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren
Rekrutieren Sie nach Erfahrungen, die für die bestehenden Unsicherheiten relevant sind – einschließlich Perspektiven, die anfängliche Annahmen des Teams infrage stellen. Wenn ein frühes Gespräch zeigt, dass manche Antragstellende auf Verwandte angewiesen sind, um das Formular auszufüllen, sollten in der nächsten Runde genau diese Verwandten einbezogen werden, statt immer nur die antragstellende Person selbst zu befragen.
Halten Sie Änderungen am Leitfaden, an der Stichprobe und am Schwerpunkt fest. Anpassungen gehören zum Vorgehen dazu; Außenstehende sollten dennoch nachvollziehen können, wie sich die Untersuchung entwickelt hat und worauf sich die einzelnen Erkenntnisse stützen.
Nutzen Sie offene Fragen, ohne vorauszusetzen, dass jede Antwort schon die tiefere Ursache erklärt. Ein Contextual Inquiry kann helfen, Abläufe zu verstehen, die Menschen nur schwer beschreiben können, während Sekundärforschung prüft, ob eine scheinbare Entdeckung nicht längst anderswo dokumentiert ist.
Ergebnisse nutzbar machen, ohne Scheingenauigkeit vorzutäuschen
Eine explorative Studie kann ein fundiertes Bild eines Problems liefern, mögliche Zielgruppen aufzeigen, relevante Begriffe klären oder Hypothesen für weitere Untersuchungen aufstellen. Trennen Sie solche Ergebnisse klar von Hochrechnungen für die Gesamtheit oder bestätigten Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen.
Im Wohnungsbeispiel könnte das Ergebnis lauten, dass die Abstimmung im Haushalt bei den untersuchten Fällen eine echte Hürde darstellt. Eine Folgestudie könnte prüfen, wie verbreitet das Phänomen ist, oder einen Entwurf testen, bei dem Angaben getrennt voneinander gemacht werden können. Der nächste Schritt leitet sich aus dem ab, was noch unklar ist – nicht aus dem Zwang, aus jeder qualitativen Erkenntnis gleich eine Umfrage machen zu müssen.
Explorative Forschung sollte damit enden, dass das Team klarer sieht: was bekannt ist und welche Entscheidungen die Datenbasis tatsächlich hergibt. Manchmal verändert das die angedachte Lösung; manchmal zeigt sich, dass schon die Ausgangsfrage falsch gestellt war. Beides ist wertvoll, wenn es das Team davor bewahrt, die falsche Frage perfekt zu beantworten.
